Gute Planung ist Stressmanagement
In einer agilen und komplexen Arbeitswelt sind die Erwartungen an die Mitarbeitenden, die Teams und das Unternehmen hoch. Wer sich die besten Mitarbeitenden langfristig erhalten will, investiert in eine gut funktionierende und gesundheitsfördernde Team-Zusammenarbeit. Eine verantwortungsbewusste Zeit- und Ressourcenplanung und klare Kommunikation schaffen Sicherheit und Vertrauen und vermeiden zusätzliche Stressfaktoren.
Die Schäfer Holzbautechnik AG steht für nachhaltiges Bauen und viel Leidenschaft im Umgang mit dem Naturmaterial Holz. Als KMU bietet der Handwerksbetrieb auch die Ausführung ganzer Bauprojekte an. Je komplexer der Auftrag und je zahlreicher die Involvierten, je wichtiger ist es, Strukturen in die Abläufe zu bringen und den Fokus auf das Wesentliche zu behalten.
Andreas Treier ist Team- und Projektleiter Holzbau bei der Schäfer Holzbautechnik. Ihm ist klar: Nur mit einer guten Planung und Arbeitsvorbereitung (AVOR) ist der Betrieb auf der Baustelle effizient. Dafür ist ein verantwortungsvolles Zeit- und Ressourcenmanagement nötig. Genügend Personal und eine realistische Verteilung der Arbeiten sind das A und O. Hinzu kommt, dass den heutigen Mitarbeitenden eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit wichtiger ist als früher. Eine direkte Kommunikation der anstehenden Arbeiten und eine eindeutige Definition der (Tages-)Ziele vermitteln Klarheit. Feste Zeitangaben (u.a. wann Feierabend ist) und die Kommunikation und Einhaltung der (Pausen-)Planung schaffen Sicherheit und Vertrauen, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden werden ernst genommen.
Wie wichtig der Schäfer Holzbautechnik AG die Ermöglichung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, zeigt sich auch daran, dass das KMU eine eigene interne Firmen-Kindertagesstätte betreibt.
Zeitmanagement-Techniken
So umsichtig und ressourcenschonend mit dem wertvollen Rohstoff Holz umgegangen wird, so soll auch mit der Zeit der Mitarbeitenden umgegangen werden. Eine Möglichkeit dazu ist die Arbeit mit Lean Management.
Lean Management ist ein Führungs- und Organisationskonzept, das darauf abzielt, Verschwendung (z. B. unnötige Prozesse, Wartezeiten, Ressourcenverbrauch) zu minimieren und den Wert für die Kundschaft zu maximieren. Das eigenverantwortliche Arbeiten und die Beiträge der Mitarbeitenden werden dabei ernst genommen und wertgeschätzt.
Die Prinzipien des Lean Management stammen ursprünglich aus der japanischen Automobilindustrie (Toyota-Produktionssystem) und setzen auf kontinuierliche Verbesserung (Kaizen), Kundenorientierung und effiziente Prozesse. In Bezug auf Zeitmanagement bedeutet dies, Zeitverluste zu minimieren und Prozesse effizient zu gestalten. Dies geschieht durch verschiedene Methoden (Handbuch):
- Just-in-Time stellt sicher, dass Materialien, Informationen oder Aufgaben genau zum richtigen Zeitpunkt bereitgestellt werden, um Wartezeiten und Lagerkosten zu vermeiden. Das Ziel ist ein synchronisierter Arbeitsfluss ohne Verzögerungen.
- Das Pull-Prinzip sorgt dafür, dass Arbeitsschritte erst dann ausgeführt werden, wenn sie wirklich benötigt werden, anstatt im Voraus zu produzieren. Dadurch wird eine Überlastung verhindert und die Flexibilität in der Planung verbessert.
- Kanban ist ein visuelles Steuerungssystem, das Aufgaben in Phasen unterteilt, zum Beispiel «To Do», «In Arbeit» und «Fertig». Es hilft, Engpässe frühzeitig zu erkennen und Aufgaben effizient zu priorisieren.
- Kaizen steht für die kontinuierliche Verbesserung von Arbeitsprozessen durch kleine, fortlaufende Anpassungen. Dadurch werden Zeitverschwendung durch unnötige Meetings, Doppelarbeit oder lange Entscheidungswege reduziert. Dies ist vergleichbar mit den hierzulande üblichen Kontinuierlichen Verbesserungsprozessen KVP, in denen die Einbindung und Eigenverantwortung der Mitarbeitenden ebenfalls stark betont und in der Unternehmensstruktur verankert sind
Diese Methoden sorgen für eine strukturierte und zeiteffiziente Planung, weniger Verzögerungen und eine bessere Nutzung von Ressourcen. Wichtige Bausteine zur Vorbeugung von Stress.
Stressmanagement auf Führungs- und Mitarbeitenden-Ebene
Bettina Janko, Arbeitspsychologin und Geschäftsführerin von WorkingWell GmbH berät Betriebe und ihre Mitarbeitenden zu den Themen Arbeit und Organisation. Sie berät, coacht und schult Führungskräfte und Mitarbeitende im Umgang mit Belastungen und Druck, beim Wiedereinstieg nach längerer Krankheit oder Burnout sowie in Konfliktsituationen. Im Sinne der Prävention fokussiert sich Bettina Janko in ihrer Arbeit auf die Themen Resilienz, Selbst- und Stressmanagement und gesundheitsorientierte Führung.
Zur Vorbeugung von stressbedingten Krankheiten sind für sie vor allem folgende Aspekte wichtig: «Angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel sollte heute jedes Unternehmen über Angebote für ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement verfügen. Denn Stress lässt sich nicht vermeiden, in der heutigen hektischen Welt. Es geht vielmehr darum, herauszufinden, wie man damit umgeht. Es gibt dabei verschiedene Strategien. Zeit- und Selbstmanagement ist elementar, um den vielschichtigen Herausforderungen der Arbeitswelt zu begegnen
Es geht dabei darum, Prioritäten zu setzen. Nehmen wir als Beispiel die Baubranche: Erfahrungsgemäss entstehen Baufehler häufig aufgrund von Planungsfehlern. Hier ist also eine durchdachte AVOR das A und O um nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen zu sparen, bzw. zu schonen und Unfällen vorzubeugen.
Nimmt man sich genügend Zeit für die Arbeitsvorbereitung, profitieren alle davon. Dafür empfiehlt es sich, nicht nur die Verantwortungsträger, sondern wenn nötig auch das Team mit in die Planung einzubeziehen. Es gilt, das richtige Personal an den richtigen Einsatzorten einzuplanen und sowohl Baumaterialien wie auch funktionstüchtige Maschinen frühzeitig zu bestellen, respektive bereitzustellen. Wichtig ist auch ein realistischer Zeitplan, der einerseits genügend Pufferzonen für Unvorhergesehenes beinhaltet und andererseits klare und erreichbare (Teil-)Ziele aufzeigt.

Bettina Janko
Arbeitspsychologin und Geschäftsführerin von WorkingWell GmbH
Besonderes Augenmerkt auf Stressmanagement bei Schicht- und Nachtarbeit
Nachtarbeit (von 23h – 6h00 Uhr) kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben – sowohl auf die körperliche wie auch die psychische. Deshalb ist es hier besonders wichtig, die Arbeit geeignet zu gestalten, um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden nicht zu gefährden. Denn in vielen Bereichen kann nicht auf Schicht- und Nachtarbeit verzichtet werden, beispielsweise im Strassen- und Gleisbau. Einen für die Mitarbeitenden passenden Schichtplan zu erstellen, ist essenziell.
Folgende Aspekte gilt es zu beachten (siehe Broschüren vom SECO zu Arbeitszeitmodellen, Informationen und Tipps, Ernährungsempfehlungen):
- Vermeidung von Überbelastung durch lange Nachtarbeitsperioden: Wenn möglich sollten nicht mehr als drei aufeinanderfolgende Nachtschichten eingeplant werden. Zudem ist der Erholungswert des Schlafes am Tag nicht derselbe wie in der Nacht, weshalb das Arbeitsgesetz einen als zusätzliche Freizeit zu gewährenden Zeitzuschlag von 10 % vorsieht.
- Länge der Schichten und Wechselrichtung: Die einzelne Schichtdauer (exklusiv Pausen) darf nicht länger als 8 Stunden sein. Zwischen dem Wechsel von der Nachtarbeit auf die Frühschicht muss eine ausreichende Ruhezeit vorhanden sein. Der Wechsel sollte in einer Vorwärtsrotation stattfinden. Bei der Vorwärtsrotation wechseln die Schichten in einer zeitlich aufsteigenden Reihenfolge (z. B. Früh → Spät → Nacht), was den natürlichen Biorhythmus unterstützt und die Anpassung erleichtert. Schliesslich sollte die Nachtschicht nicht nach 19 Uhr und die Frühschicht nicht vor 6 Uhr beginnen. Dies gewährleistet, dass beide Schichten noch aufnahmefähig für die Übergabe der Aufgaben sind.
- Warmes Essen ermöglichen: Die Mitarbeitenden sollten die Möglichkeit haben, eine warme Mahlzeit/ warme Getränke zu sich zu nehmen. Eine warme Mahlzeit wirkt dem Absinken der Körpertemperatur in der Nacht entgegen und hilft, wach und konzentriert zu bleiben.
- Planung, Mitwirkung und Schulung: Eine langfristige Einsatzplanung ermöglicht es den Mitarbeitenden, ihr Privatleben besser zu organisieren. Eine höhere Vorhersagbarkeit stärkt ausserdem das Gefühl von Selbstwirksamkeit und trägt zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz bei. Je stärker die Bedürfnisse der Mitarbeitenden in der Planung berücksichtig werden, desto geringer ist die Belastung. Wichtig ist auch, Mitarbeitende zum Thema zu schulen: wer gut informiert ist, kann aktiv Verantwortung übernehmen und bleibt fit und leistungsfähig.